Absage ans Jobcenter Pankow – Warum ich bei der feierlichen Eröffnung der Jugendberufsagentur keinen „künstlerischen Beitrag“ leisten werde.

Öffentliche Absage an das Jobcenter Pankow! Warum ich bei der feierlichen Eröffnung der Jugendberufsagentur keinen „künstlerischen Beitrag“ leisten werde.

Guten Tag, Mitarbeiter_innen des Jobcenters Pankow,

Ich werde mich als Künstler_in nicht an der feierlichen Eröffnung der Jugendberufsagentur beteiligen.

Es gibt nichts zu feiern! Vor allem nicht die Gründung dieser neuen Behörde. In der Jugendberufsagentur sollen die Agentur für Arbeit, das Jugendamt und das Jobcenter gemeinsam Jugendliche unter 25 Jahren in Ausbildung „vermitteln“. Sie sollen sie solange „aktiv ansprechen“ bis sie eine Ausbildung begonnen/abgeschlossen oder eine Beschäftigung aufgenommen haben. Bis 2016 sollen in allen Berliner Bezirken „Jugendberufsagenturen“ eröffnet werden. Aktiv ansprechen heißt Jugendlichen/ jungen Erwachsenen werden Sanktionen/Kürzungen angedroht/durchgesetzt, wenn sie Termine und „Angebote nicht annehmen“.  „Aufsuchende Beratungen“ nennt die JBA Hausbesuche. So sollen Jugendliche und junge Erwachsene, die auf schriftliche und telefonische Beratungsangebote nicht reagieren, persönlich aufgesucht werden, um sie von den Unterstützungsmöglichkeiten der JBA Berlin „zu überzeugen“.

Ich war selbst als Jugendliche_r in einer ‚Bedarfsgemeinschaft‘ mit meiner Mutter. Ich erinnere mich an stundenlanges in der Schlange stehen im Jobcenter Neukölln, während meiner Schulzeit. In der 10. Klasse legte mir die „Fallmanagerin“ einen Vermittlungsbogen vor, um mich bald in den Arbeitsmarkt eingliedern zu können. Aber ich mach doch noch 3 Jahre Schule, entgegnete ich. „Das wird sich zeigen“, entgegnete die Fallmanagerin. Als ich mit 18 von zuhause ausziehen wollte, lehnte das Jobcenter meinen Antrag ab.

“Weil deine Zukunft zählt” – lautet das Motto der JBA. Ich frage mich, wie das mit einem Kontroll- und Zwangssystem  zusammenhängt, vielleicht zählen eher die Statistiken als die Möglichkeiten der Jugendlichen. So wurden in Hamburg und Bremen, in denen bereits vor einigen Jahren die JBA eröffnet wurden, versucht über die Einverständnisse der „Erziehungsberechtigten“ die Daten aller 8-Klässler_innen zu registrieren. Um ihre Zukunft gleich im Blick zu haben.

Ich frage mich generell, wie lange Ihre Behörden Daten speichern. Als ich dieses Jahr nach dem Studium meinen Jobcenter Antrag abgab, fragte mich die Sachbearbeiterin im Eingangsbereich. „Waren Sie schon mal hier?“ „Nein“ entgegnete ich, die Jobcenter Besuche mit meiner Mutter waren schon über 10 Jahre her. „Doch“ entgegnete die Sachbearbeiterin nachdem sie meinen Namen eintippte, „sie haben doch damals mit ihrer Mutter in der und der Straße gewohnt“.

Ich werde mich bei ihrer feierlichen Eröffnung nicht auf die Bühne stellen. Auch nicht mit kritischen Worten. Ich habe auch keine Lust bei einer Entsolidarisierung von anderen Erwerbslosen und dem „Bildungsaufstiegsmythos“ mitzumachen. Jugendliche werden in der JBA in Gruppen eingeteilt: In „Marktkunden“, auch genannt, sogenannte „orientierte, ausbildungsreife“, anschlussfähige Jugendliche, die mehrheitlich über das Abitur verfügen. Die zweite von der JBA eingeteilte Gruppe sind „Beratungskunden“. Die dritte Gruppe wird den so genannten „Betreuungskunden“ zugeordnet. Bei ihnen wird von besonderem „Interventionsbedarf“ gesprochen, d.h. sie stehen besonders im Fokus der Kontroll- und Zwangsmaßnahmen. Diese Sortierungen sind oft mit rassistischen, ableistischen, klassistischen und heteronormativen Zuschreibungen verbunden.

Sie können gerne ein Klassismus-Sensibilisierungstraining buchen, falls sie ein ernsthaftes Interesse haben, sich mit Klassismus auseinanderzusetzen. Dies sollte allerdings angemessen bezahlt (und nicht gleich wieder abgezogen werden).

Ich schreibe übrigens um Menschen und mich zu empowern, und nicht um token mäßig mal auf einer Bühne ein paar kritische Worte zu sagen. Ich schreibe über Diskriminierung und durch Diskriminierung. Texte von mir zum Thema Jobcenter können Sie hiernachlesen:

https://franzbroetchenspokenword.wordpress.com

Für Sie und Mitleser_innen kann ich auch noch folgende Links empfehlen:

http://clararosa.blogsport.de/

https://sanktionsfrei.de/

https://altonabloggt.com/

http://www.gegen-hartz.de/

Mit unfreundlichen Grüßen

Franz Brötchen

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